Landesweite JubaS-Fachtagung 2023

Am 31. August 2023 fand die landesweite JubaS-Fachtagung „Junge Menschen stärken – Gemeinsam Übergänge gestalten” mit rund 150 Akteuren aus Jugendberufsagenturen, Verwaltung, Politik und der Fachöffentlichkeit statt. Die Teilnehmenden konnten sich auf der Tagung zum aktuellen Stand und der Weiterentwicklung der Jugendberufsagenturen in Sachsen und bundesweit sowie zu neuen Entwicklungen am Ausbildungsmarkt informieren. Neben den Vernetzungsmöglichkeiten auf dem JubaS-Marktplatz bot die Fachtagung am Nachmittag Gelegenheit zum fachlichen Austausch. In vier Workshops diskutierten die Teilnehmenden zu den Themen geflüchtete junge Menschen, Beteiligung & Partizipation, entkoppelte junge Menschen sowie Koordination & Netzwerkaufbau. Die Fachtagung wurde gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr durchgeführt.

Ines Fröhlich
Staatssekretärin für Digitalisierung und Mobilität
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

„Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des massiven Fachkräftemangels ist es umso wichtiger, sich ständig mit dem Thema des Berufseinstiegs und der Integration in die Arbeitswelt von jungen Menschen zu beschäftigen, Lösungsansätze zu entwickeln und sie ganz praktisch vor Ort anzubieten. Mit den Jugendberufsagenturen hat sich in den vergangenen Jahren eine Kooperationsform entwickelt, die genau hier – unter dem Leitmotiv – ‚Kein Jugendlicher darf verloren gehen‘ eine wesentliche Rolle spielt. Sie bieten praktische Unterstützung, um den individuellen Herausforderungen und Unsicherheiten, mit denen junge Menschen beim Berufseinstieg konfrontiert sind, erfolgreich zu begegnen. Grundlage ist eine effektive Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren, die sonst häufig nur in ihrem Bereich agieren. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend, um jungen Menschen langfristige Perspektiven zu bieten und ihre Potenziale zu fördern. Mit der landesweiten JubaS-Fachtagung bringen wir all diese Akteure zusammen und fördern den fachlichen Austausch untereinander.“

Michaela Ungethüm
Geschäftsführerin operativ
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit

„Die Jugendberufsagentur ist ein funktionierendes Netzwerk aus allen Partnerinnen und Partnern am Ausbildungsmarkt. Sie funktioniert, weil alle Beteiligten ihre Kompetenzen einbringen. Auch die regionale Vielfalt ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendberufsagenturen unterstützen die jungen Menschen, damit sie bestmöglich ins Berufsleben durchstarten können. Das gelingt beispielsweise mit einer frühzeitigen Berufsorientierung in allen Schulen oder passenden Angeboten. Künftig wollen wir insbesondere jungen Menschen mit schwierigen Startbedingungen eine noch bessere Unterstützung geben und Eltern in diese Arbeit verstärkt einbeziehen.“

 

Film zum Download (closed captions)

Film zum Download (open captions)

Kurzversionen für social media (closed captions)

Kurzversionen für social media (open captions)

Die Gesprächsrunde wurde durch Eingangsstatements von Ines Fröhlich (Staatssekretärin für Digitalisierung und Mobilität im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr) sowie Michaela Ungethüm (Geschäftsführerin Operativ der Bundesagentur für Arbeit – Regionaldirektion Sachsen) eröffnet. Staatssekretärin Fröhlich verwies auf die zahlreichen Herausforderungen für junge Menschen in den vergangenen Jahren und deren Nachwirkungen. Die Jugendberufsagenturen hätten sich aus ihrer Sicht als Instrument in der Krise bewährt, weil sie junge Menschen intensiv beim Übergang von der Schule zum Beruf begleiten. Michaela Ungethüm stellte die Situation auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie die damit einhergehenden Herausforderungen dar. Beide Vertreterinnen waren sich einig: Kein junger Mensch dürfe verloren gehen!

Im Anschluss stellten sich die Jugendberufsagenturen in Chemnitz, Bautzen und Görlitz via Video dem Publikum vor und verbanden diese Vorstellung jeweils mit einer sie umtreibenden Frage an die Gesprächsrunde:

Die JBA Chemnitz war daran interessiert, welche Leistungen die Jugendberufsagenturen nach erfolgter Ausbildungsaufnahme zur Stabilisierung von Ausbildungsverläufen vorhalten sollten. Staatssekretärin Fröhlich betonte, dass es auch nach einer erfolgten Ausbildungsaufnahme wichtig sei, junge Menschen weiterhin durch das Netzwerk der Jugendberufsagenturen zu unterstützen. Zugleich nahm sie die Betriebe in die Pflicht: In den letzten Jahren hätte sich der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von einem Arbeitgeber- hin zu einem Arbeitnehmermarkt radikal verändert. Dies hätten noch nicht alle Betriebe verstanden. Aus diesem Grund appellierte Fröhlich an die Eigenverantwortung der Betriebe für eine gelingende Ausbildung. Michael Ungethüm hob die Vielzahl an Unterstützungsangeboten seitens der Bundesagentur für Arbeit hervor, beispielsweise ausbildungsbegleitende Hilfen im Rahmen der Assistierten Ausbildung.

So wollte die JUBAG Bautzen wissen, wie sich Staatssekretärin Fröhlich und Michaela Ungethüm die Verstetigung und Weiterentwicklung der Jugendberufsagenturen in Sachsen vorstellen. Ines Fröhlich bekräftigte die Förderung einer transparenten und vertrauensvollen Zusammenarbeit der beteiligten Akteure auf Landesebene. Ein beredtes Beispiel hierfür sei die am 22. Juni 2023 veröffentliche Gemeinsame Erklärung, deren Umsetzung durch die Landesfachgruppe JBA engmaschig begleitet wird. Zudem solle das Förderprogramm „Jugendberufsagentur Sachsen (JubaS)“ durch eine weitere Förderrunde nachhaltig gestärkt werden. Michaela Ungethüm sah die Jugendberufsagenturen mit ihrer Ausrichtung auf eine ganzheitliche Berufsorientierung und individuelle Begleitung als Grundstein für einen erfolgreichen Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf.

Die JBA Görlitz wollte erfahren, wie zukünftig die Zielgruppen „junge Menschen mit multiplen Problemlagen“ und „jungen Menschen mit Fluchterfahrungen“ stärker unterstützt werden können. Die von der Fachkräfterichtlinie geförderten Arbeitsmarktmentoren wären aus der Sicht von Ines Fröhlich ein geeigneter Ansprechpartner zur Förderung dieser Zielgruppe. Generell – so waren sich Ines Fröhlich und Michaela Ungethüm abschließend einig – müsse an die Stelle einer Komm-Struktur vielmehr eine Geh-Struktur treten, beispielsweise durch Formen aufsuchender Arbeit.

Jedes Bündnis ist anders - diese Vielfalt spiegelte sich in den präsentierten Marktständen wider und beflügelte die anregenden Gespräche unter den sich präsentierenden Bündnissen.

Leider bleibt in der alltäglichen Arbeit der Jugendberufsagenturen häufig nicht genügend Zeit sich umzuschauen, welche Schwerpunkte und Netzwerke andere Jugendberufsagenturen in Sachsen fokussieren und unterhalten. Der Marktplatz im Rahmen der JubaS Fachtagung sollte es den 13 Bündnissen ermöglichen, sich selbst und ihre Arbeit anderen Bündnissen vorzustellen und miteinander in den Austausch zu kommen.

Der Marktplatz war nicht nur eine Präsentation von Jugendberufsagenturen, sondern auch ein Ort, an dem der Mehrwert eines starken Netzwerks sichtbar wurde. Nach den Inputs wurde der Marktplatz durch das Sächsische Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr eröffnet, und die Bündnispartner hatten nicht hier nur die Gelegenheit, ihre Give-aways zu präsentieren, sondern auch ihre Strukturen und Schwerpunkte ihrer alltäglichen Praxis. An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei allen Bündnissen bedanken, dass Sie zu einem kolossalen und inspirierenden Austausch beigetragen haben.

Ziel des Workshops war zweierlei: Einerseits sollten Problemlagen, Ressourcen, aber auch Bedarfe entkoppelter junger Menschen aufgedeckt, andererseits praktikable Ansätze in Sachsen diskutiert werden, die diese Personengruppe erreichen.

In einem ersten Schritt wurde sich mittels eines Kurzvortrags an den Begriff „Entkoppelte junge Menschen“ angenähert sowie unterschiedliche Ausprägungsformen, z. B. Armutsquote, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit, eingeführt. Sodann waren die Beteiligten angehalten, die Situationen und komplizierten Problemkonstellationen zu beschreiben, in denen sich entkoppelte junge Menschen befinden. Vor allen Dingen das Thema Sucht wurde intensiv diskutiert, auch im Hinblick auf moderne Formen von Abhängigkeit, beispielsweise Computerspiel-Sucht. Ein weiterer Aspekt war die Rolle der Eltern, die sich zum einen als Vorbilder für ihre Kinder erweisen müssen, zum anderen aber ist es wichtig, dass die Kinder sich von ihren Eltern lösen, um Selbstwirksamkeit zu erfahren. Es stellte sich heraus, dass fast alle Problemlagen ineinandergreifen, sich zum Teil wechselseitig hervorrufen und verstärken. Eine Priorisierung scheint diffizil. Schließlich wurden erfolgreiche Ansätze in Sachsen vorgestellt und besprochen, die sich dieser Zielgruppe annehmen. Ist es einerseits – so stellte sich heraus – schwierig, angesichts der wechselseitigen Bedingtheit der Problembezirke eine Priorisierung zu finden, so hat diese Verflechtung andererseits auch zur Folge, dass Ansätze von verschiedenen Stellen aus erfolgreich sein können, indem sich positive Effekte von einer nicht nur auf andere Problemlagen, sondern auf das Gefüge insgesamt übertragen. Im Workshop wurden auch Zielkonflikte besprochen: Erfolgreiche Projektansätze bedürfen langfristiger Planungssicherheiten, um Vertrauen bei der Zielgruppe aufbauen, erfahrenes Personal binden und vorhalten zu können. Aus Sicht mancher Teilnehmender sind diese Bedingungen notwendig zur Erzielung positiver Resultate, stehen aber zugleich auch in Konflikt mit vergaberechtlichen Anforderungen. Befristete Förderperioden sorgten, so einige Teilnehmende, angesichts stetiger Probleme dafür, immer wieder von vorne beginnen zu müssen. Für diesen nicht nachhaltigen Zielkonflikt wurde im Sinne der Erfolgssicherung seitens der Teilnehmenden bei Verantwortlichen um Bewusstsein und Berücksichtigung für spezifischere Regelungen geworben.

Die Fachtagung der Landesservicestelle JubaS bot in ihren vielfältigen Workshops wertvolle Erkenntnisse über die Zielgruppe junger Menschen. Kevin Kaufmann von der Agentur für Arbeit gab im Workshop "Geflüchtete" einen informativen Überblick über aktuelle Statistiken bezüglich Geflüchteter sowie deren Möglichkeiten für den Einstieg und Qualifizierung.

Laura Roser vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung präsentierte das Programm "Berufliche Orientierung für Zugewanderte (BOF)" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Anschließend wurden in zwei verschiedenen Themenecken folgende Schwerpunkte behandelt: In der ersten Themenecke wurde eine Analyse von Online-Tools zur Beratung junger Geflüchteter durchgeführt, darunter Berufs- und Kompetenzkarten, check.work und www.deine-Berufserfahrung.de. Besonders die Berufs- und Kompetenzkarten erhielten positive Rückmeldungen von den Teilnehmer*innen und wurden als geeignet für die Zielgruppe angesehen. Die Idee, die Rückseite der Karten mehrsprachig zu gestalten, stieß ebenfalls auf Begeisterung. Die Kompetenzkarten sind in verschiedenen Sprachen verfügbar, eine Übersicht der verfügbaren Sprachen finden Sie hier.

In der zweiten Themenecke wurde intensiv über Herausforderungen und Lösungsansätze in der Beratung von jungen Geflüchteten diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass eine Übersicht über die verschiedenen Akteure in Sachsen, die in verschiedenen Kontexten mit jungen Geflüchteten arbeiten, äußerst hilfreich wäre. Der Workshop gewährte somit einen umfassenden Einblick in die bedeutende Arbeit der Beratung junger Geflüchteter und die Instrumente, die zur Unterstützung dieser Zielgruppe zur Verfügung stehen.

Im Rahmen des Workshops sollten die Teilnehmenden motiviert werden, die Chancen von Beteiligung und Partizipation junger Menschen in ihrem Arbeitsalltag zu erkennen und zu nutzen. Dies wurde unter anderem durch den Austausch von guter Praxis bei der aktiven Einbindung umgesetzt. Einen wichtigen Beitrag leistete der Impulsvortrag von Emma Wolff vom Kinder- und Jugendring Sachsen e. V., mit welchem der Workshop in Kooperation durchgeführt wurde. Dabei standen zwei Fragen im Vordergrund: (1) Wie sieht gute Jugendbeteiligung aus? (2) Welche Stufen der Beteiligung werden unterschieden?

Auf dieser Basis des Inputs diskutierten die Teilnehmenden im Rahmen eines World-Cafés wechselnd Möglichkeiten und Herausforderungen der Beteiligung junger Menschen sowie gesammelte Erfahrungen und identifizierte Potenziale einer stärkeren Beteiligung. Wesentliche Ergebnisse lagen einerseits in der Betonung der Rolle von Schulen im Prozess, vorgelagert zu der aktiven Beteiligung im Rahmen der Prozesse der Jugendberufsagenturen, andererseits in dem Mehrwert des Lernens Jugendlicher durch Jugendliche im Sinne eins peer counselings. Zum Abschluss der Diskussion nutzten die Teilnehmenden die Möglichkeit rege, Empfehlungen und Wünsche an die Vertreter*innen auf Landesebene zu richten.

Im Workshop waren mehrere Ziele zu adressieren: Es sollten sowohl Aufgaben von Koordinationen im Rahmen der Arbeit von Jugendberufsagenturen als auch die Erwartungshaltung gegenüber deren Arbeit zur Sprache kommen. Zudem dienen Good-Practice-Beispiele aus Sachsen und anderen Bundesländern als gelungene Anschauungsobjekte, um daraus Gelingensbedingungen für die eigene Arbeit zu gewinnen.

Zunächst eröffnete Mareike Berghaus von der Servicestelle Jugendberufsagenturen die Runde mit einem kurzen Input. Der Blick reichte von Rahmenbedingungen (strukturelle Anbindung, Finanzierung etc.) über Qualifikationen und Kompetenzen von Mitarbeitenden bis hin zu Gelingensfaktoren. Im Verlaufe der Diskussion stellte sich heraus, dass das Aufgabenspektrum von Koordinationen nicht nur regional unterschiedlich ist, sondern eine in sich recht komplexe Angelegenheit. Die Rolle von Koordinatorinnen und Koordinatoren als neutrale Vermittlungsinstanz zwischen den drei Rechtskreisen gleicht mitunter einem Balanceakt. Vor allen Dingen die Übersetzungsarbeit zwischen den Institutionen und deren jeweils eigenen Soziallogiken erfordert Takt- und Fingerspitzengefühl. Umso wichtiger erscheint ferner die vollumfängliche Einbindung der Mitarbeitenden in Koordinierungen in die jeweiligen regulären Strukturen, z. B. Teambesprechungen. Als Fazit steht dessen ungeachtet fest: Koordinatorinnen und Koordinatoren sind Katalysatoren der Entwicklung von Jugendberufsagenturen.

Programm

10:00 Uhr

Begrüßung

Dr. Iris Pfeiffer
Geschäftsführerin Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

 

10:15 Uhr

Moderierte Gesprächsrunde mit

Ines Fröhlich
Staatssekretärin für Digitalisierung und Mobilität, Sächsisches Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Michaela Ungethüm
Geschäftsführerin Operativ, Bundesagentur für Arbeit – Regionaldirektion Sachsen

 

11:05 Uhr

Jugendberufsagenturen – Dem Fachkräftemangel begegnen

Lydia Schmidt
Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

 

11:25 Uhr

Bundesweite Entwicklung von Jugendberufsagenturen

Mareike Berghaus
Servicestelle Jugendberufsagenturen im Bundesinstitut für Berufsbildung

 

11:50 Uhr

Eröffnung JubaS-Marktplatz mit anschließendem Rundgang

Helmut Stier
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

 

12:30 Uhr Mittagspause mit Imbiss  

13:15 Uhr

Workshopphase

Geflüchtete junge Menschen

Beteiligung & Partizipation

Entkoppelte junge Menschen

Koordination & Netzwerkaufbau

 

 
15:25 Uhr Aktive Pause mit gallery walk & Netzwerkcafé  

16:00 Uhr

Zusammenfassung der Workshops

Merle Becker
Wertschatz Kommunikation

 

16:15 Uhr

Ausblick & Verabschiedung

Dr. Iris Pfeiffer
Geschäftsführerin Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

 

 

Moderation

Merle Becker
Wertschatz Kommunikation

 

 Zurück (vorhergehende Seite)